März 2015: Ein bunter Strauß an Empfehlungen

Ein bunter Strauß Empfehlungen zum Frühling: App, Hörbücher, Bücher, Vorlesung, Filme – von Séverine Viebahn (Teilnehmerin)

Was haben die folgenden Begriffe miteinander gemeinsam: abridged, to push boundaries, verdict, gingerly, to take chances, footman, hive, gravy boat, cold case, flagstone, lurk, recital, orchards, to jazz up, guesswork?

Sie befinden sich alle mit vielen weiteren Vokabeln bestens aufgehoben und verwaltet in meinem neuesten Lieblings-Helferlein. Die Rede ist von einer App namens „dict.cc plus Wörterbuch“ auf meinem Smartphone. Diese App ist richtig gut für Übersetzungen geeignet und ebenso als Vokabeltrainer sehr gut nutzbar. Was diese App so besonders und besonders nützlich macht, ergibt sich aus ihrer durchdachten Handhabung.

Aber der Reihe nach: „dict.cc plus“ bietet 51 Sprachpaare an. Neben Englisch-Deutsch auch natürlich Französisch, Spanisch, Schwedisch und viele Sprachen mehr. Das Deutsch-Englisch-Wörterbuch beinhaltet über eine Mio. Übersetzungen und ist auch ohne Internetzugang offline nutzbar (sehr praktisch!). Besonders hilfreich finde ich die Möglichkeit, nach Begriffen, die aus mehreren Wörtern bestehen, suchen zu können. Viele andere Produkte, die ich vorher genutzt habe, scheitern hier kläglich. So kann zum Beispiel „to push boundaries“ (Grenzen sprengen) gesucht und gefunden werden. Zu jedem Schlagwort bietet die App mehrere Übersetzungsmöglichkeiten oder Kombinationen an, je nach dem möglichen Kontext, in dem die Vokabel stehen könnte. Und hier gleich der nächste Pluspunkt: im Menü kann ich den Punkt „Rückübersetzen“ auswählen, um den Kontext zu verifizieren. So kann man schnell und geschickt arbeiten.

Die Vokabeln lassen sich in einem virtuellen Karteikasten speichern. Mit diesem kann man fast genauso arbeiten, als ob man selber Papierkärtchen beschriftet und im Kasten einsortiert. Und schon kommt der Pluspunkt: man kann bequem erst einen Text übersetzen und anschließend entscheiden, welche dieser Vokabeln zum Lernen abgespeichert werden soll. Mir gelang es bislang schlecht, mich beim Anlegen einer Karteikarte auf eine Übersetzungsvariante zu konzentrieren. Also schrieb ich meistens viel zu viele Synonyme auf. Das Ergebnis war, dass ich die Vokabeln nicht mehr geschickt lernen konnte. Und das Lernen dann schließlich auch ganz aufgab. Diese App hingegen konzentriert sich auf eine Hauptübersetzung, ähnlich wie bei einem Schulbuch.

Neben den Rubriken „Meine Vokabelliste“ und „Vokabeltrainer“ findet sich auch “Zuletzt gesucht“ und „Quiz Game“. Da anscheinend jede App über Bugs (hier: Programmfehler) und weniger gelungene Komponenten verfügen muss, haben sich die Entwickler damit begnügt, diese unrühmlichen Parts alle in das „Quizz Game“ zu packen. Damit kann ich bestens leben. Zum Beispiel suchte ich nach dem Wort „dowdy“. Die Übersetzung lautete „schäbig, unelegant, ohne jeden Schick“. Dazu angeboten wurde ebenfalls die Übersetzung „nachlässig gekleidete Frau“. Wegen der subtilen Unterscheidung nahm ich beide Varianten in meine Vokabelliste auf. Im Quizz ergibt sich daraus folgendes Szenario: Vorgegebene Vokabel ist „dark current“. Der User soll entscheiden, ob die Übersetzung „Dunkelstrom“, „nachlässig gekleidete Frau“, „Sechssaitige (Gitarre)“ oder „Nähzwirn“ lautet. Das ist natürlich ein wenig schräg und bedarf einer Portion Humor. Sinnvoll ist diese Spielweise absolut nicht. Aber vielleicht brauche ich irgendwann dringend „dark current“? Die anderen Funktionen sind mir wichtiger und den Konkurrenzprodukten deutlich voraus. Deshalb bin ich von dieser App immer noch überzeugt.

Diese Version der App kostet im App Store (für Geräte mit angefuttertem Apfel) € 5,99. Es gibt noch eine kostenlose Variante „dict.cc Wörterbuch“. Allerdings enthält sie keine personalisierten Arbeitsmöglichkeiten und finanziert sich mittels Werbung.

Und jetzt komme ich wieder zurück auf das Vokabelpotpourri zu Beginn des Textes und verrate an dieser Stelle gerne, woher sie stammen. Es folgt also eine kleine Empfehlung von Lektüren, Hörbüchern, Filmen oder Vorträgen.

abridged – gekürzt

Thrilling Stories of the Railway, von Victor Whitechurch (Hörbuch), gelesen von Benedict Cumberbatch (er spielt Sherlock Holmes)

Eine gekürzte(!) Hörbuchausgabe kleiner feiner Detektivgeschichten à la Hercule Poirot. Cumberbatch liest die verschiedenen Charaktere nicht einfach, er spielt sie (akustisch) absolut überzeugend. Verschiedene Dialekte, Färbungen und Charaktereigenschaften unterschiedlich schnell gesprochen bieten eine große Varianz und ein länger anhaltendes Hörvergnügen.

to push boundaries – Grenzen sprengen

National Geographic Explorers Symposium 2014 – Pushing the Boundaries of Adventures (Video in iTunes, vielleicht auch auf anderen Plattformen wie Youtube zu finden)

Kurzbeschreibung: „High school dropout National Geographic photographer Cory Richards is on a life-long quest to push the limits of adventure and storytelling.“

verdict – Gerichtsurteil

Sherlock – Eine Legende kehrt zurück, (DVD)

Eine neue BBC-Filmserie, originelle Anlehnung an die Klassiker von Sir Arthur Conan Doyle. In den Hauptrollen Benedict Cumberbatch und Martin Freeman.

Ich finde die Idee, Sherlock Holmes in unsere Zeit zu übersetzen, grandios gelungen, so dass ich mir die deutschen Fassungen öfters angeschaut habe. Jetzt schaue ich nur noch die englischen Versionen und freue mich mit diebischem Vergnügen herauszufinden, wo die deutschen Übersetzungen von den englischen Versionen abweichen. Probiert es selbst!

footman – Diener

Downton Abbey, BBC-Serie (DVD)

Eine adlige Familie, ihre Bediensteten, viele Schicksale, ein großes Landgut, England auf dem Weg in die Moderne …. Viele Dialoge. Andere Zeiten zeigen eine andere Vokabelbandbreite.

Flagstone – Gehwegplatte

What Really Happened in Peru: The Bane Chronicles, Book 1 (Unabridged), von Cassandra Clare und Sarah Rees Brennan (Hörbuch)

Warlock Magnus Bane erlebt mit seinen Freunden in einer Reihe von Geschichten Abenteuer mit Vampiren, Wehrwölfen oder wie in diesem Buch “bird droppings”. Er spielt so abscheulich auf einem peruanisches Saiteninstrument, dass das Dorf, indem Bane lebt, ein riesiges Fest veranstaltet, als er sein Hobby für immer aufgibt.

Diese Reihe trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Die Zielgruppe ist vermutlich im Teeny-Alter und vorwiegend weiblich. „What Really Happened in Peru“ kann recht gut nebenbei gehört werden, da es sich um kleine Geschichten handelt, die chronologisch berichtet werden. Es verfügt über eine Prise Humor und bedient sich verschiedener Epochen und Länder. Dem Hörer bietet diese Geschichte somit wieder eine neue Palette an Vokabular dar.

to jazz up – aufpeppen

Early Middle Ages, Yale University, Open University, Vorlesung von Professor Paul H. Freedman (Audio, Video, Unterrichtsmaterial bei iTunes U)

Professor Freedman referiert in dieser Vorlesung über die Hauptentwicklungen der politischen, religiösen und sozialen Geschichte Westeuropas im Frühen Mittelalter.

Interessant ist die Sichtweise, die sich von unserer westeuropäischen doch etwas zu unterscheiden scheint. Freedman versteht es, die Themen zu präzisieren und seine Studenten auch mit ein wenig Humor zu erheitern. Zu der Vorlesungsreihe gibt es auch ein Skript, das 1:1 dem Vortrag entspricht. (Alle „ähm“s und „err“s inklusive!) So lässt sich dem Kontext bestens folgen und das Thema bei Interesse auch bearbeiten.

Sonstige Vokabeln

Young Sherlock Holmes, Andrew Lane (Buch)

Prima Gute-Nacht-Lektüre. Es lullt herrlich ein, eine gut und leicht zu erfassende Atmosphäre und ab und zu wird es spannend. „Hive“, „gravy boat“ und „orchards“ wären mir sonst wohl nicht so schnell als neue Vokabeln begegnet. Missen möchte ich sie nicht mehr.

Ich hoffe, dass ich Sie neugierig machen und für die eine oder andere Empfehlung gewinnen konnte.

Da ich auch sehr wissbegierig bin, würde es mich sehr freuen, an dieser Stelle künftig auch Ihre Buchempfehlung oder Ähnliches zu lesen.

Best regards,
Séverine