Resilienz

Was macht uns resilient?


Resilienzförderung nach dem Bambus-Prinzip®

Resilienz ist ein Thema, das mich aus persönlichen Gründen schon sehr lange beschäftigt: Wie schaffen es manche Menschen, an einer Krise nicht zu zerbrechen, sondern sogar noch gestärkt herauszugehen (innere Stärke)? Aber Resilienz bezieht sich nicht nur auf Krisen, sondern auch auf Herausforderungen des alltäglichen Lebens, wie z.B. Stress, Leistungsdruck oder Unsicherheiten.

In der Psychologie bezeichnet Resilienz die seelische Widerstandskraft und die Fähigkeit von Menschen, Krisen gut zu bewältigen und an ihnen zu wachsen. Solche Menschen werden häufig Stehaufmännchen genannt.

In der Resilienzforschung stehen nicht die Defizite eines Menschen im Mittelpunkt, sondern seine Stärken. Daraus wurden Resilienzfaktoren definiert, die entscheidend für eine Resilienzentwicklung sind. Die gute Nachricht: Man kann Resilienz lernen, jederzeit; leider kann man es aber auch wieder verlernen.

Ella Amann vom Resilienz-Forum in Berlin, bei der ich meine Ausbildung zum Resilienz-Practitioner gemacht habe, arbeitet mit diesen acht Resilienzfaktoren:

  • Optimistische Grundhaltung
  • Akzeptanz und Realitätssinn
  • Lösungsorientiertes Denken und Handeln
  • Fähigkeit zur Selbstregulation
  • Übernahme von Selbstverantwortung
  • Beziehungen pflegen
  • Zukunfsgestaltung
  • Improvisationstalent einsetzen

Ich möchte Ihnen nun eine Geschichte erzählen. Anhand dieser Geschichte werde ich gelebte Resilienz praktisch erklären. Klicken Sie bitte auf die Soundaufnahme „Sieben lange Jahre“.

Für die Soundaufnahme gehen Sie bitte auf den Link und scrollen dann runter:
Soundaufnahme

Anm.: Die Geschichte ist Voraussetzung für die weiteren Erklärungen.

Das war die Geschichte meines Vaters. Sie beinhaltet fiktive Elemente und wahre, so z.B. seine Gefangenschaft und deren Rahmenbedingungen.  Das ist einer der Gründe, warum mich Resilienz sehr interessiert. Bei meinem Vater allerdings sah das Schicksal nochmals härter aus, denn er hatte einen Neustart in der BRD ohne Frau und Kind zu bewältigen. Hans Bonkas – Wikipedia

Er hat die Resilienzfaktoren intuitiv, ohne überhaupt zu wissen, dass sie existieren, angewendet.

Optimistische Grundhaltung 

Mein Vater wusste während der Gefangenschaft, dass er mit stärkeren Gefangenen kräftemäßig nicht mithalten kann. Aber er war clever. So kam es, dass er das Heizsystem berechnet hat. Damit hat er sich seine Gefangenschaft ein klein wenig angenehmer gemacht.
Als er später in den Westen kam, hatte er alles verloren und musste komplett neu anfangen. Er hat aber an seine Fähigkeiten geglaubt und sich Schritt für Schritt eine Karriere aufgebaut. Seine Überzeugung war: „Sie konnten mir alles nehmen, aber sie haben es nicht geschafft, meinen Willen zu brechen.“ Ich möchte noch hinzufügen: Er hat sich auch seine Moral und Würde behalten.

Akzeptanz und Realitätssinn

Ich habe ihn einmal gefragt, ob er nicht verbittert war, denn er hatte zwei Diktaturen miterlebt: Erst hat ihm der Krieg seine Jugend genommen und dann die Gefangenschaft einen Teil seines Lebens. Er hatte nicht die Chancen, die andere haben. Seine Antwort fand ich sehr beeindruckend: „Das Gefängnis war meine Universität.“. Er beherrschte unbewusst die Kunst des Umdeutens (Perspektivwechsel). Er sah in seiner Gefangenschaft eine Sinnhaftigkeit/Bedeutsamtkeit und lebte diese später in seiner Aufgabe als Zeitzeuge sehr überzeugend. Was ich bewundernswert und sehr schön finde ist, dass mein Vater überhaupt nicht verbittert war, sondern immer nach Möglichkeiten geschaut hat, wie er seinen Weg gehen konnte. Er war vielmehr sehr dankbar für sein Leben und fragte sich häufig, womit er das verdient habe.
Im Alter hat er gelernt, seine Antreiber nicht mehr zu ignorieren. Stürze schränkten ihn ein. Er zog seine Konsequenzen daraus und wurde achtsamer, ein Riesenschritt für meinen Vater, der immer ein kleiner Hektiker war.

Lösungsorientiertes Denken und Handeln

Als mein Vater in der BRD neu anfing war es ihm wichtig, ein gesichertes Leben zu haben. Er wurde Beamter. Gleichzeitig träumte er davon zu reisen, all das worüber er vor seiner Gefangenschaft gelesen hatte, wollte er kennenlernen. Später, als er sich eingewöhnt hatte und auch wieder Pläne schmieden konnte, begann er, für das Gericht, wo er gearbeitet hatte, Reisen zu organisieren: nach Paris, London, Israel, Ägypten, Russland, weltweit. Er organisierte die Reisen komplett selbst und ging zu den Konsulaten und Reisebüros, um sich Unterlagen zu besorgen. So begannen seine ersten Schritte zu einer seiner Leidenschaften: das Reisen. Seine Initiative machte es ihm möglich, sich die Reisen finanziell leisten zu können.
Natürlich sah er auch die Probleme, aber primär hat er in Lösungen gedacht.

Fähigkeit zur Selbstfürsorge

Mein Vater hat sich Auszeiten genommen. Zeit für sich und zum Lesen waren ihm sehr wichtig. Auch seinen Garten liebte er und Tiere. Er freute sich, den Vögeln zuzuschauen, wenn er sie fütterte. So gerne er unterwegs war und sich mit Menschen austauschte und in seiner Aufgabe als Zeitzeuge aufging, so wichtig war ihm sein Zuhause als Ruhepol. Er war auch konsequent: Unser Vater, bei dem es immer schnell gehen musste, wurde nach zwei (unverschuldeten) Stürzen viel achtsamer und passte mehr auf sich auf.

Übernahme von Selbstverantwortung

Mein Vater hat sich nicht als Opfer gesehen. Er war ein Macher und hat sich immer Aufgaben gesucht. Seine Berufstätigkeit erfüllte ihn. Dann kam seine Pensionierung: Was tun? Er gestaltete sie sich: Er knüpfte Kontakte, einen nach dem anderen, über Jahre hinweg, aufgebaut mit sehr viel Geduld. Mit Schülern, Auszubildenden und Soldaten bereiste er später Deutschland als Zeitzeuge, er nahm sie mit nach Berlin, wo sie Politiker trafen und diskutierten. Er sagte immer: „Wer in der Demokratie einschläft, wacht in der Diktatur auf.“ Diese Aufgabe war ihm eine Herzensangelegenheit.
Zur Übernahme von Selbstverantwortung gehört auch, sich versöhnlich zu zeigen. Ich fragte ihn einmal, ob er nicht den Russen gegenüber verbittert sei. Sie hatten ihn inhaftiert. Daraufhin antwortete er mir: „Sie konnten mir alles nehmen, aber nicht meinen Willen. Ich wusste, dass ich im Recht bin und zum Schluss habe ich gesiegt.“ Er erwähnte auch immer wieder, wie sehr die russische Bevölkerung im Krieg unter den Deutschen gelitten hatte. Er rechnete ihnen hoch an, dass sie trotzdem den Deutschen gegenüber so freundlich waren.

Beziehungen pflegen

Mein Vater hatte aus seiner Zeit der Gefangenschaft wunderbare Freunde. Diese hatte er bis zu seinem Lebensende. Als er später als Zeitzeuge aktiv war, baute er sich auch ein Netzwerk an Freund- und Bekanntschaften auf. Er war gerne für sich alleine, aber der Austausch mit Interessierten über Politik und Geschichte bereicherte ihn immer wieder. Sehr viel gab ihm auch das Zusammentreffen mit jungen Leuten und Soldaten. Ihnen als Zeitzeuge von seinen Erfahrungen zu berichten, sie mit Politikern zusammenzubringen, Politik erlebbar zu machen und ihnen damit aufzuzeigen, wie wichtig es ist, dass sich  jeder mit seinen Fähigkeiten zum Wohle der Gesellschaft einbringt, war ihm eine Herzensangelegenheit. Die Dankesbriefe, die er von den Teilnehmern bekam, haben ihm viel bedeutet.
Seine Familie war ihm auch sehr wichtig. Er liebte seine Enkelkinder und genoss es sehr, wenn wir alle zusammen verreisten.

Zukunftsgestaltung

Visionen & Werte: Das prägte meinen Vater. Er hatte immer eine Vision, wo es für ihn hinging, wahrscheinlich hätte er selbst es gar nicht so genannt. Ihn prägten auch Menschen, die ihn sehr beeindruckten und an denen er sich orientierte, so z.B. Helmut Schmidt. Und er hatte Werte: Er spendete viel, insbesondere für Kinder aus armen Gegenden, denen es nicht so gut ging wie ihm.

Improvisationstalent einsetzen

Mein Vater war bis ins hohe Alter neugierig, offen und wissbegierig. Wenn jemand gute Argumente anbrachte, überdachte er seine Meinung.
Das Organisieren der Reisen fürs Amtsgericht zeigt, dass er improvisieren konnte. Er hatte die Fähigkeit aus dem, was er hatte, das Beste zu machen. Er suchte immer nach machbaren Lösungen, das zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben.

Anmerkung:
Natürlich war nicht alles einfach. Anfangs, als er nach dem Gefängnis nach Frankfurt kam, konnte er nicht lassen. Und natürlich war mein Vater nicht perfekt: Er musste im Krieg und während seiner Gefangenschaft in einen Überlebensmodus schalten. Das legt man danach nicht einfach ab und es macht das Zusammenleben nicht immer einfach. – Wenn man glaubt, dass es woanders reibungslos läuft, steckt oft harte Arbeit dahinter.

Mindset
Das war ein Auszug aus dem Resilienzmodell von Ella Amann. Ihr Modell ist ein Meta-Modell, d.h. es spielen noch weitere Ebenen mit rein, so z.B. meine innere Haltung (Mindset): Ich muss wirklich wollen. Ich erwähnte bereits oben, dass man Resilienz lernen kann. Das bedarf der Übung. Sehr wichtig ist dabei, dass ich es verinnerliche und der Wandel in meinem Inneren (Geisteshaltung) ankommt. Daraus entsteht geistiges Wachstum.

Embodiment
Resilienz zeigt sich auch auf körperlicher Ebene (Embodiment): Mit meinem Körper kann ich mich weit machen und öffnen Amy Cuddy Power Posing . Mein Körper spiegelt meine innere Haltung wider.  Mit meinem Körper unterstütze ich meinen geistigen Wachstumsprozess.

Sie fühlen sich angesprochen und möchten Ihre innere Stärke aktivieren?

Ich freue mich über

– Ihren Anruf unter 06080 926 19 10 oder

– Ihre E-Mail an info@bebc-coaching.com

Gemeinsam finden wir eine Lösung.

 

 

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